Nachhaltiger Konsum

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Nachhaltige Lebensstile sind die Kunst
des richtigen
Verhaltens
in falschen Strukturen
Joachim H. Spangenberg / Sylvia Lorek

 

Nachhaltiger Konsum - ein sperriger Begriff?

In Anlehnung an die Nachhaltigkeits-Definition der Brundtland-Kommission könnten wir *Nachhaltigen Konsum" folgendermaßen beschreiben:

Solche Dinge in solchen Mengen einkaufen und so nutzen, dass deren Herstellung und Verbrauch nicht verhindert, dass es mir und anderen auch in Zukunft gut geht. 

Das mag abstrakt und auch ein wenig flapsig klingen und klärt vielleicht nicht auf Anhieb die ganze Dimension des nachhaltigen Konsumierens.

Doch wenn wir berücksichtigen, dass weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland das Wort Nachhaltigkeit erklären kann, so macht das deutlich, dass die Sache selbst nicht ganz einfach ist und dass es eine einfache und zugleich umfassende Erklärung dessen, was "nachhaltiger Konsum" ist, nicht geben kann.

 

Was könnte das Verständnis so schwierig machen?
  • Das weltweite Produzieren, Handeln und Konsumieren (einschließlich des Finanzierens, Nutzen- und Schadennehmens) ) ist komplex, und anders als bei neuen Handy liegt keine Anweisung für den bedenkenlosen Konsum in der Verpackung. 

  • Preise deuten nur an, wie effektiv etwas hergestellt ist.

  • Ist etwas billig, billigen wir es. Wie können wir riechen, dass für den attraktiven Preis am anderen Ende der Produktionskette vielleicht an Lohn-, Umwelt- oder Arbeitsschutz gespart wurde?

  • Fragwürdige Bedürfnisse nach Ablenkung vom Stress, Flucht vor Langeweile, Suche nach Trost und sogar triebhafte Kaufsucht provozieren fragwürdige Nachfrage nach immer mehr Kaufbarem und verhindern eher die Suche nach sozialen Wegen aus dem eigenen Unwohlsein. Und Werbestrategen wissen die Lust an der Vorstellung einer heilen und „geilen“ Welt geschickt anzuheizen.

Doch niemand hat auf Dauer Spaß an der Völlerei, wenn der Preis ist, ständig die Augen vor Ungerechtigkeiten und ein dickes Ende im Treibhaus Erde zu verschließen!

Oder wenn das Fernsehen einmal zeigt, wie „untragbar“ die Arbeitsbedingungen der Näherinnen für unsere Kleidung sind, wie „bitter“ das Kaffeeernten war, wie „sauer“ das Zuckergeschäft für die Länder des globalen Südens ist?

Und wenn wir einmal in der Zeitung lesen

  • dass Arbeiterinnen täglich 14 Stunden für einen Hungerlohn nähen und dabei stundenlang nicht zur Toilette dürfen

  • dass die Kinder bei der Kaffeeernte mitarbeiten müssen, damit die Familie versorgt ist.

  • dass mit dem Zuckerpreis in Europa Subventionen bezahlt werden, die dafür sorgen, dass der teuerste Zucker der Welt mit Hilfe von „Ausfuhrerstattungen“ den Zucker aller anderen Anbauregionen unterbieten kann

  • wie viel  Regenwaldflächen für Futtermittel gefällt wurden für das Vieh der Reichen?

Oder man ist selbst betroffen von den Handyschulden der Teenager, Dumpinglöhnen, Lebensmittelskandalen, überhöhten Energiepreisen und Strom fressenden Geräten, der Verknappung  von Rohstoffen oder „fabrikneuem Sperrmüll“. Niemand zahlt auch gern für die Dividende der Shareholder des papierenen Illusion eines "ewige Wachstums" .

 

Und urplötzlich fragt man sich:

Wie kann es sein, dass Manschen die 40 Cent für das Nähen eines Turnschuhes erhalten, während die Markenfirma von den 100 € Verkaufspreis ein Drittel bekommt?

Und man fragt sich weiter:

Was wollen wir eigentlich?

Ist mein Leben es wert, sich vom bedenkenlosen Konsum bestimmen lassen?

Können wir Menschen uns frei machen vom Wechselbad der Verführung und Enttäuschung?

Könnten wir uns nicht in einer fairen Weise verständigen, was für ein glückliches Zusammenleben zu tun und was besser zu lassen ist?

Zum Glück gibt es Alternativen
  • Es gibt Unternehmer, die neue Wege gehen, Verantwortung übernehmen, sich zur Einhaltung ökologischer Standards und sozialer Kodices (Vereinbarungen) für die Näherinnen von Textilien verpflichten.

  • Es gibt fair gehandelten Kaffee, sogar im Supermarkt, der den Kleinbauern Existenz sichernde Löhne garantiert. Es gibt politische Veränderungen auf dem Zuckermarkt.

  • Es gibt Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft, bei der die Tiere mit Futter vom eigenen Hof ernährt werden.

  • Es gibt auch nachhaltige Produkte, die langlebig, ökologisch, sozialverträglich und ethisch verantwortbar etc. sind.

  • Es gibt die Möglichkeit zum verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Rohstoffen.
    Und diese Formen des Nachhaltigen Konsums müssen in keiner Weise der Lebensfreude und –qualität abträglich sein!

Nachhaltiger Konsum und Entwicklung

In einer globalisierten Welt tragen Verbraucher/innen durch ihren Konsum Mitverantwortung für das Wohlergehen von Menschen auf der anderen Seite des Globus.

Deshalb sollen die direkten Folgen und Zusammenhänge des Handelns über die geografischen und kulturellen Distanzen hinweg sichtbar gemacht werden.

So können Verbraucher/innen Zusammenhänge zwischen Armut und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage in den Ländern des globalen Südens und der eigenen Nachfragemacht erkennen und statt mitfühlender Hilfe verantwortungsbewusstes Verbraucherverhalten gefordert und nachdenken verbraucherpolitische Strategien für faire Nord-Süd-Beziehungen auf gleicher Augenhöhe angeregt.

Nachhaltigkeit hat keine fix und fertigen Ziele

Aktuelle Vorstellungen von Nachhaltigem Konsum können immer nur Momentaufnahmen in einem ständigen Entwicklungsprozess sein, in dem sich unsere Welt permanent bewegt. 

Deshalb wird es uns oft nicht erspart bleiben, ein „Dickicht“ an Informationen zu durchforsten, um Handlungsmöglichkeiten zu finden, Problemlösungen zu entdecken und zu entwickeln,

Aber es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu Tun

Es gibt für den Nachhaltigen Konsum kein vorgefertigtes und auch kein einheitliches Konzept. Dies muss nicht von Nachteil sein, denn jede/r kann dadurch einen individuellen Weg finden.

Es gibt viele und auch sehr einfache Möglichkeiten mit dem Nachhaltigen Konsum zu beginnen: Z.B. einfach mal ein Produkt aus fairem Handel kaufen, auf das Biosiegel achten etc..

Handlungsmöglichkeiten sind in vielen Wegweisern, Verbraucherinformationen, Tests, Qualitätsstandards und –siegeln etc. zu erfahren. In unserer Welt ist es nicht schwer, an diese Informationen heranzukommen, wenn man interessiert ist.

Je häufiger Verbraucher/innen Interesse an nachhaltigen Produkten zeigen, um so stärker wird sich auch ein entsprechendes Angebot entwickeln

Gemeinsam sind wir nachhaltig

Wem es nicht reicht, individuell ein Stück verantwortlicher zu handeln, hat viele Möglichkeiten,   Kritisch nachzufragen, Protest zu äußern, sich an Postkarten- und E-Mailaktionen zu beteiligen oder Informationen über unzulässige Produktionsbedingungen zu verbreiten.

Unternehmen, wie z. B. die Markenimperien in der Sportbekleidungsbranche sind sehr sensibel gegenüber Kritik und Imageverlust. Sobald sie den Protest und die Forderungen vieler Menschen registrieren, müssen sie sich etwas einfallen lassen.

Ein Direktor vom Jeansfabrikanten Levi’s Strauss sagte: „In der heutigen Welt kann ein einziger Fernsehbericht über schlechte Arbeitsbedingungen die langjährigen Bemühungen eines Unternehmens zerstören, eine spezifische Markenloyalität zu entwickeln."

Politik für Nachhaltigkeit

Nicht nur von Produzenten sondern auch von Regierungen können wir globale Handelsbedingungen einfordern, die eine faires Miteinander zum Wohle der gegenwärtig und zukünftig lebenden Menschen ermöglichen.

Zusammengefasst:

„Nachhaltig leben heißt, gut, gesund, partnerschaftlich und tolerant zu leben, den Dingen ihren Wert gewähren, bewusst genießen, auch genussvoll konsumieren. Das heißt auch, auf Qualität zu achten, nicht jeder Mode nachzulaufen, aber auch nicht jede zu verachten, das gehört zur Lebensqualität. Nachhaltig konsumieren heißt, sich zu erinnern, dass das Bessere der Feind des Guten sein sollte, nicht das Billigere; dass ferner Gemeinschaftlichkeit und Individualismus zusammengehören wie Partnerschaftlichkeit und Selbstständigkeit.

Nachhaltige Lebensstile sind die Kunst des richtigen Verhaltens in falschen Strukturen. Deshalb braucht es beides, Politik von oben und Handeln von unten. Nur zusammen entstehen nachhaltige Produktions-, Konsum- und Wirtschaftsstrukturen.“

 

Aus: Joachim H. Spangenberg/Sylvia Lorek, Sozioökonomische Aspekte nachhaltigkeits-orientierten Konsumwandels; in:

Aus Politik und Zeitgeschichte 24/2001, S. 29.

Angebot des Büro für Nachhaltige Entwicklung

 

Das Büro für Nachhaltige Entwicklung entwickelt Ideen, Beispiele und Methoden für interaktives Lernen und  öffentlichkeitswirksame Aktionen

 

 

 

 

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