Nachhaltige Entwicklung

 

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Heute gut leben ...

... ohne die Entfaltungsmöglichkeiten
anderer Menschen
und zukünftiger Generationen
 einzuschränken,
und ohne die Lebensgrundlagen aller zu zerstören.

Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit

Der rasante Anstieg der Weltbevölkerung, des Energie- und Rohstoffverbrauchs sowie die möglichen dramatischen Folgen menschlichen Handelns auf das Ökosystem Erde sind seit über 35 Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen.

Dennoch ist das Verständnis von Notwendigkeit und Dringlichkeit der Entwicklung einer nachhaltigen Lebensweise noch lange nicht ausreichend. Es existieren zwar viele Handlungsempfehlungen, doch deren Wirkungen sind oftmals nicht einschätzbar und werden daher nicht angegangen.

 

Meilensteine in der Geschichte der Nachhaltigkeit

  • 1972 findet in Stockholm die erste UN Umweltkonferenz (UNEP United Nations Environment Programme) statt. Sie trägt den Titel: „Action Plan for the Human Environment“.

  • Im gleichen Jahr bringt der „Club of Rome“ den Bericht zur Lage der Menschheit „Die Grenzen des Wachstums“ heraus. Erstmals werden hier Computersimulationen genutzt, um präzise Prognosen über die Langzeitentwicklung von Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Rohstoffverknappung und Umweltzerstörung abzugeben.

  • 1980 veröffentlicht das US-amerikanische Umwelt- und Außenministerium den Global 2000 Bericht an den Präsidenten (The Global Report to the President). In ihm werden beunruhigende Schlussfolgerungen aus verschiedenen Modellbetrachtungen zum Bevölkerungswachstum und Ressourcenverbrauch auf der Erde gezogen.

  • 1983 beschließt die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver mit einer Erklärung zu Frieden und Gerechtigkeit den „Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“.

  • 1987 legt die UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (sogenannte Brundtland-Kommission, Vorsitzende ist die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland) ihren bedeutenden Bericht mit dem Titel „Unsere gemeinsame Zukunft“ (Our Common Future) vor. Der Brundtland-Report proklamiert, dass die Menschheit an einem Wendepunkt in ihrer Geschichte angelangt sei, stellt das bisherige ungebremste Wachstum in Frage und entwickelt ein neues Leitbild für eine „nachhaltige Entwicklung“.

  • Etwa 1987 überschreitet die Menschheit (nach den Berechnungen zum Ökologischen Fußabdruck / Living Planet Report) die Tragfähigkeitsgrenze der Erde hin zu einer nicht Nachhaltigen Entwicklung (ecological overshoot), weil sie mehr Ressourcen verbraucht, als dauerhaft zur Verfügung stehen.

  • 1992 findet in Rio de Janeiro eine zweite - zumindest unter Insidern berühmt gewordene - große Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema Umwelt und Entwicklung (United Nation Conference on Environment and Development UNCED) statt. Daran sind auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (Non Governmental Organisations = NGOs) beteiligt. Als Ergebnis unterzeichnen ca. 170 Nationen fünf Dokumente:

    • die Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaveränderungen zur Stabilisierung der Teibhausgase,

    • die Konvention über die biologische Vielfalt zum Erhalt der Vielfalt der Lebensformen,

    • die Rahmenprinzipien für die Bewirtschaftung, Erhaltung und nachhaltige Entwicklung aller Waldarten,

    • die Erklärung von Rio über Umwelt und Entwicklung mit 27 Artikeln zur Definition von Rechten und Pflichten der Länder auf dem Weg zu menschlicher Entwicklung und Wohlergehen und schließlich

    • die Agenda 21, einen Aktionsplan für das 21. Jahrhundert für eine soziale, wirtschaftliche und umweltgerechte und damit nachhaltige (oder zukunftsfähige) Entwicklung. Die Agenda 21 wird zum Grundlagendokument für einen neuen politischen Steuerungsprozess. Soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte sollen dabei gleichermaßen berücksichtigt werden. In dem Dokument wird auch gefordert, dass die Kommunen bis 1996 (!) einen Aktionsplan für eine Nachhaltige Entwicklung für ihr Territorium aufgestellt haben sollen. Heute haben immerhin ca. 20% der deutschen Kommunen (im Juli 2006 sind es 2610) dieses Ziel umgesetzt.

    • 1997 wird in Kyoto das Klimaschutzprotokoll („Kyotoprotokoll“) verfasst, dessen Ratifizierung mit dem Ausstieg der USA und der zögerlichen Haltung Russlands lange in Frage steht und schließlich mit dem Einlenken Russlands 2005 mit einer Laufzeit bis 2012 in Kraft tritt.

    • Im Jahr 2000 wir die Erd-Charta vom Earth Council in Costa Rica verabschiedet. Sie geht auf eine Anregung der Brundtland-Kommission zurück und versteht sich als eine inspirierende Vision grundlegender ethischer Prinzipien für eine Nachhaltige Entwicklung. Sie soll ein verbindlicher Vertrag der Völker auf der ganzen Welt werden, mit den Grundsätzen der allgemeinen Menschenrechte, sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit und einer Kultur des Friedens.

    • Zehn Jahre nach der „Rio-Konferenz“ findet im September 2002 erneut eine bedeutende Weltkonferenz, diesmal in Johannesburg (Republik Südafrika) statt. Immer deutlicher wird, dass es nicht mehr allein um Umweltschutz mit den Themen Klima- und Artenschutz geht, vielmehr stehen Fragen wie die Armutsbekämpfung, globale Gerechtigkeit und die Trinkwasserversorgung im Mittelpunkt. Mit einer geschätzten Zahl von 24.000 sind an dieser Konferenz noch mehr regierungsunabhängige Organisationen (NGOs) beteiligt.

    • Im April 2001 beruft die Bundesregierung einen Rat für Nachhaltige Entwicklung, bestehend aus 15 Personen des öffentlichen Lebens. Der Rat soll die Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen machen und Beiträge zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung leisten.

    • Die Bundesregierung hat sich die mit der Agenda 21 übernommenen Verpflichtungen als „wesentliche Orientierungspunkte für ihre gegenwärtige und künftige Politik“ zu eigen gemacht. Aufgrund der Komplexität der Aufgabe und der Unterschiedlichkeit der Beteiligten kommt der Prozess jedoch nur schleppend und von den Mehrheiten
      der unterschiedlichen Gesellschaften weitgehend unbeachtet voran.

    • Am 17. Mai 2006 erklärt das Berliner Abgeordnetenhaus die Agenda 21 Berlin zur Leitidee der künftigen Landespolitik.

Leitbild „Nachhaltige Entwicklung“

Als nachhaltig definiert die Brundtland-Kommission eine „Entwicklung, die den gegenwärtigen Bedarf zu decken vermag, ohne gleichzeitig späteren Generationen die Möglichkeiten zur Deckung des ihren zu verbauen“. Als Konsequenz fordert die Kommission „eine neue Ära einer umweltgerechten wirtschaftlichen Entwicklung“, und:

„Die Menschheit ist einer Nachhaltigen Entwicklung fähig - sie kann gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen.“

Das neue Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung erfordert eine integrierte politische Strategie, die die bisher weitgehend getrennt betrachteten Bereiche der ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung miteinander verbindet.  Um eine dauerhaft verträgliche Entwicklung zu gewährleisten darf keiner dieser Aspekte auf Kosten der anderen entwickelt werden.

Zu den drei „Dimensionen der Nachhaltigkeit“

  • Ökologische Nachhaltigkeit

  • Ökonomische Nachhaltigkeit

  • und Soziale Nachhaltigkeit 

können (und sollten) weitere wichtige Aufgabenfelder genannt werden, die im Folgenden stichwortartig durch inhaltliche Aspekte charakterisiert werden:

a) Ökonomische Dimension
  • Umweltverträgliche Produktion von Gütern und Leistungen

    • Minimierung des Einsatzes von Energie

    • Internalisierung externer Kosten (Umweltkosten)

    • Kreislaufwirtschaft

    • Stoffstrom-Management

    • Substitution Umwelt belastender Stoffe

  • Soziale Verträglichkeit (Arbeitsbedingungen, menschwürdige Entlohnung, Mitbestimmung von Produktionszielen und -methoden   )

  • Langfristiger  Wohlstandsgewinn für alle

b) Ökologische Dimension
  • Beachtung der Komplexität ökologischer Wechselwirkungen

  • Nachhaltiger Nutzen durch Vernetzung von Einzelmaßnahmen

  • Erhalt von Biodiversität

  • Beachtung von Belastbarkeit

  • Erhalt von Regenerationsfähigkeit/Selbstregulation

  • Erhalt der Stabilität ökologischer Systeme

c) Soziale Dimension
  • Entwicklung der Fähigkeit zur Übernahme individueller, kollektiver und globaler Verantwortung für umwelt- und entwicklungsbezogene Voraussetzungen und Auswirkungen des Handeln

  • Demokratische Meinungsbildungsprozesse für Wissenserwerb, Kompetenzerwerb und Regeln, die in Richtung zukunftsfähiger Produktionsweisen und Konsummuster weisen

  • Maßnahmen zur Herstellung von Überschaubarkeit der Prozesse zur Umsteuerung der Gesellschaft

  • Stärkung von  Eigenverantwortlichkeit im Umgang mit knappen Ressourcen

  • Menschenwürdige und zugleich umweltgerechte Lebensstile/Suffizienz

  • Förderung der menschlichen Gesundheit.

d) Kulturelle Dimension
  • Entwicklung einer ganzheitliche Naturwahrnehmung

  • Entwicklung einer mitmenschlichen Rationalität

  • Mobilisierung religiöser und mythischer Kräfte

  • Erwerb von Bewusstsein und Zeitdimensionen und Rhythmen einer nachhaltiger Entwicklung

  • Erwerb der Möglichkeit sich mit den Entwicklung der Gegenwart zu identifizieren

  • Entwicklung kultureller Diversität.

e) Wahrnehmung der globale Dimensionen nachhaltiger Entwicklung
  • Armutsbekämpfung (Wie kann eine wachsende Bevölkerung ihre  Ernährungssicherheit und -souveränität sichern?)

  • Schaffung internationaler institutioneller Rahmenbedingungen für einen sozial und ökologisch verträglichen Welthandel

  • Schutz der Erdatmosphäre

  • Nachhaltige Nutzung der Ressourcen Boden und Wasser im Weltmaßstab.

Welcher Nachhaltigkeitsbegriff?

Der Begriff "nachhaltige Entwicklung" wird unterschiedlich interpretiert. Der deutsche Begriff kommt aus der Forstwirtschaft, wo man das Stehen lassen von Einzelbäumen bei Waldrodungen „nachhalten“ nannte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde daraus das Konzept der forstlichen Nachhaltigkeit entwickelt, das - entgegen der bisherigen Raubbauwirtschaft nicht mehr Ernte zulässt, als nachwachsen kann.

In der Diskussion um „Nachhaltigkeit“ in Deutschland werden damit die Begriffe andauernd, dauerhaft bzw. dauerhaft umweltgerecht, ökologisch dauerhaft, dauerhaft verträglich, oder auch zukunftsfähig verbunden.

In der internationalen Debatte um die Weltentwicklung wird das englische Wort „sustainable“ verwendet, (wörtlich "imstande sein, zu bleiben") das wohl am ehesten mit „beständig“ oder „nachdrücklich“ übersetzt werden kann. Sustainable Development kann also eine „zukunftsfähige Entwicklung“ bedeuten. Hier wird also nicht das Ziel, sondern der Weg, die Qualität eines zielorientierten, inhaltlich umfassenden, globalen Handelns ohne Aufschub beschrieben.

Das Wort "Nachhaltigkeit" ist ohne Weiteres  nicht  greifbar. Daher soll hier überwiegend der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ verwendet werden, der eher den Aspekt der Suche und der Prozesshaftigkeit beinhaltet, die der beschriebenen Diskussion noch immer anhaften. Dass in Nachhaltigkeits-Strategien wie einer Lokalen Agenda 21  Zeiträume bestimmt werden, in der ein definiertes Problem bewältigt werden soll, gibt der Suchbewegung allerdings einen wissenschaftlichen, auf Nachprüfbarkeit und Zweckerfüllung ausgelegten Charakter.

 

„Starke“ und „schwache“ Nachhaltigkeit

Beim Verständnis einer Nachhaltigen Entwicklung kann zwischen zwei wesentlichen Positionen unterschieden werden:

  1. Nach einem Verständnis von „starker“ Nachhaltigkeit soll das „Naturkapital“ mit seinem natürlichen Strom an Gütern und Dienstleistungen und anderen nützlichen Effekten nicht verringert, sondern angesichts einer wachsenden Bevölkerung ausgebaut werden. Der Wald liefert Holz, verhindert aber auch Erosion, speichert Wasser und erhält die Artenvielfalt.

  2. Andererseits besteht die Auffassung, dass Umweltschäden oder schrumpfende Ressourcen hinnehmbar sind, wenn dadurch ein gleichwertiger Ersatz an Produktivität geschaffen werden kann. Nach dem Verständnis einer „schwachen“ Nachhaltigkeit können technische Maßnahmen und intelligente Dienstleistungen die Schäden in gewissem Rahmen kompensieren, indem sie den Materialverbrauch verringern oder Ersatzstoffe einsetzen (neoklassische Denkschule).

Ich denke: Beachtet werden müssen auf alle Fälle irreversible Folgen etwa der Klimaveränderung oder der Verstärkung der UV-Strahlung oder dem Artenrückgang.